Schattenvald - Wenn der Blutdunst von den Zinnen weht Lyrics


(Eine Erzählung aus dem Fichtelgebirge: Ein Pfarrer mit unnatürlich langem Leben bereitete den Dorfbewohnern Unbehagen. Ihm wurde ein Pakt mit dem Teufel vorgeworfen, doch in Wirklichkeit hielt er den Leuten das Leid der Pest fern. Als er schließlich vom Mob ermordet wird, weht der ungeahnt von ihm gebannte Pesthauch aus den alten Raubritterburgen zurück ins Land... Als Ursache der Pest wurde oft ein böser Wind, das Miasma, betrachtet.)

In der Kältn vo der Nacht ziechts rum am Sternazelt,

Der Mond prellt full am Firmament und leicht schee ruht aufd alda Welt.

Die Baahmer biechds im orchn Wiend, der ieber Berch und Täler zieht.

Grod voran am Schnieberch drohm, wod Nebel greisslich silbert glieht.

Es is' die Zeit zu Allerseeln, die Alten ziechts zum Sterm dahie,

Die junga Leit, sunst voller Freid, derstarrn in derra oldn Zeit.

Derzelln sich bang a alda Gschicht vull Schrecknis goar und Grausamkeit,

Und kaaner wass, warums so is, doch hält sichs so dermied bis heit.

Dreihunnerd Johr is her scho gwehn, da säng ser sich, da hots wos gehm,

In Bischoffsgrie an Gottesmann, der scheints wohl k'hapt des ewich Lehm.

Der is scho gwehn, su soggd der Ältst, als selber er noch jung is gwehn.

Bluß kaahner hätt so recht ned gwisst, warum der Alt unsterblich ist.

Vor Berch und Wold hamm Leit sich gfürcht, ned gheuer war, wos do rumziecht.

Boar junga Gnebf wor alles worschd, ham drinna oft schee gstillt ihrn Dorscht.

Zwaa Gribbl warn scheints ganz gewieft und ham a alda Burch entdeckt,

Wo's oft zur Nacht moll naufstieng sind und mancha Schnäpps hamm ausgeschleckt.

Der Sauflust Macht hat Blütn triem und schnell warn die Zwaa dann so verbliehm,

Dass drunt am Ort dem schiachen Pfaff sei letztes Stündla gleit hom muss!

So hamms sich schnell boar Hackn gstulln, die's neihaun wolln ind Patergosch.

Der Schwarzrock stürzt im Hinterhalt, zerbrechen tut sei Kreuzzugsbrosch.

A Liter Blut rinnts Bächla no, die Gribbl klaun ihm all sei Geld,

Sei Nüschl fliegt hernoch dervoh, nimmt Abschied vo der heilgen Welt.

Und weil die Broschn gar so leicht, zerbrichts in tausend Trümmer gleich,

Vom Pfaffen seiner guten Tat bleibt nichts als Blut und Donnerschlag!

Doch von den Räuberritterburgens toten Zinnen tats gleicherzeits hinunter rinnen,

Ein Hauch der Pest, schon längst vergessen, sich talwärts wieder voran fressen.

Der alte Pfaff, wer konnts denn sehn, hat alda Flüch' dereinst gebannt,

Im Bund mim Deifl für Leut und Lehm am End' von Dummheit überrannt.

Im ruhdn Nebel sieht mer bluß an Rock so schwarz wied Pfaffen Seel,

Auf Bockes Füß kommt er hernoh und schaut sich des Spektakel oh,

So hab mei Freind, wennst draußen bist, auf ruhda Nebel bsonders acht,

Weil draußen schleicht er heut noch rum, der Bockfuß in der Priestertracht!

In Rachsucht kralt vom Berg er dann und macht sich an die Mägde ran,

Die Bauersbum renna dervoh, er quält des Viech und zündts oh.

Des Derfla brennt, die Kinner schreia, der Bock lacht laut am Freudenfeuer.

Und als er die zwaa Burschen sieht, ein jeder aus dem Dörfla flieht.

Die Zwaa zerfetzt er auf der Stell und nimmt die Seeln mit in die Höll,

Ruht und schwatz ziehts aus ihm raus, der Nebel frisst ein jedes Haus,

Su ward des Dorf hernach nicht mehr, wie verschluckt vo Frankenerd!

Der Pfaff, der ist dann weiterzong, ins nächsta Dorf hots na verschlong...