Die G'schicht vom Nothwirtshaus zu Vordersee Lyrics

Album: VI

Dazumal sich zugetrong, vor viela Johr in Franken goahr,

Do woar a Fuhrmann om Wech mit am heiling Marieng’mäld.

Zu Bamberg hat ers machen lossn, voll goldner Pracht die Jungfrau wor,

Hahm noch Sachsen hot ers gnumma, zu seim Pfaffn Kerng ers fährt.

Durch schworza Wälder, dicht und grausig, mussten seina Rösser gehen.

Na Fuhrmann wor vor Kält scho gram. „Och wäa ich döch schö längst döhähm!“

Su saß am Bock er im Gebet und fürcht sich vor am neia Schnee,

A gscheiter Weg wor längst verloren, er kämpft sich durch die Fichtenbahm.

Doch im Wold, a Glanz voll Hoffnung, a Licht scheint zwischen d’Bahmer durch.

„Mog es sein?“, dacht er im Stillen, ein Unterstand – a Wirtshaus gor?

Die Peitschn knallt, die Pfer ziehn los, der Wagen zieht im Schnee a Furch,

Gen Licht der Weg na Fuhrmann leit, vuller Freid der Kutscher wor.

So kam es, wie es kommen sollt – a Nothwirtshaus in Vordersee,

Im Wold, im Finstern, schee versteckt im kolden, harschen, weissen Schnee.

Die Pfer hot er dann abgespannt, drucken griem, im Stoll verfracht,

Hei und Hafer hamsa kriegt, „gut jegangen“ hodder gedacht.

Jetzt wos Wohl der Rösser klor, freit er sich auf an Trunk zur Nacht,

Die Wirtin hot zu später Stund, grod su nuch ihm an Schnaps gebracht.

Des Bild der Jungfrau hot er aufd Kammer mitgenumma,

Am Wohng wars ihm zu gfährlich gwehn, wenn plötzlich Räuber kumma.

Su is er wohlig mit dem Bild om Struhsock eigeschlofn,

Gedrahmt hot er vo Unzucht bald, der Herr sollt ihn nuch strofen!

Am nächsten Morgen wor er ganz hantig – Viehzeich, Bild, alles wor fott,

Die Wirtin hot er ohgeschrieha, hot sie nichts khert, hot sie nichts gmerkt,

„Na“, hots gsogt, „du bleeder Sachs, hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!

Pass selber auf auf deina Gäul, ich bi doch ned dei Magd!“ hots plärrt.

Su kams, wie es kommen sollt, im Nothwirtshaus in Vordersee,

Im Gasthaus, wo die Waldkäuz schreia, die Pfer worn fott im weissen Schnee.

Do stand er do, der arme Tropf, alles weg bis auf sei Geld,

Hot er in seiner Schand vielleicht seina Drahm jetzt scho gesühnt?

Fünf Vater Unser hot er bett, gen Himmel seina Bitten brüllt.

Und der Deifl hat na khert und ihn gleich sauber angeredt

A neues Gspann und schwarza Pfer gibt der Deifl gerne her.

Engleszunga gleich der Deifl sprach und fort ward Sachsen Ungemach.

So bot er ihm a neies Gmäld der Mutter Gottes wunderboar.

Vill schenner nuch als olda woar, der Fuhrmann jauchzt voll trunken Glück,

A beeser Zauber lag do drauf, verhext durch Deifls linkes Gschick.

In Windeseil der Sachs is gfoahrn, hahm nach Dresden zu seim Pfaff.

Des Bildla ihm hat er dann gehm, der Pfaff der greint vor heil‘ger Freid.

So zog der Fuhrmann in sei Dörfla und fiel in an gerechtn Schlaf

Des Bild der Jungfrau glänzt bis heit in der Kerng mit goldnem G’schmeid.

Verhext vom Deifel und verdorm, so is der Bursch dann frieh verstorm.

Ein jeder, der dem Kirch‘tum glaubt, dem Deifel in die Falle lauft.

Seelen hat er eigetriem durch na Glauben an des Bild,

So ham bis heut a Haufen Leut des Fegefeuer aufgefüllt.