Deutschland, dir ist ein Kind entschlafen
----------------------------------------------------------
Am Fuße des Berges auf dem unsre Herzen ruhn
Da steht ein junger Bub mit Feuer in den Augen
Er rennt den Berg hinauf, hoch über Stock und Stein
Kein Blick zurück, der Gipfel ist nicht weit
Dort fällt er auf die Knie und fängt an zu schreien
Hier gehör ich hin, nur hier will ich sein
Der Wind die Worte fing als er das Kind umschlich
jede Silbe macht ihn schwerer, drückt den Buben gänzlich zu Boden
Schlaf mein Kind!
Schlaf, die Welt kann dich nicht mehr berühren!
Schlaf!
Und so kam es, dass der Junge dem Leben entfloh
seitwärts in den Traum
der ihm von nun an folgen sollte
Er sitzt mit Nietzsche, Goethe und Schiller an einem Tisch in Weimar
die Sonne scheint, was für ein schöner Tag
Man macht ganz höflich ein paar Scherze
spricht ungeniert über Heimat, Geist und Weltenwandel
doch am Firmament ziehen dunkle Wolken auf
Gleichschritt durchbricht die Idylle, der gläserne Mensch betritt die Bühne
Im Schlaf beginnt der Bub zu schreien
doch Moos und Gras fressen die Klänge
während Wurzeln den Verstand umschmeicheln
Der Druck steigt unaufhaltsam
und so bleibt der Junge im Traum gefangen
bis zu jenem schönen Tage
an dem man sich an ihn als Freund erinnert
und in Deutschland wieder munter
Wort und Geist zum Himmel sprieße